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Mahnwache zu den Vorfällen bei Stuttgart 21

Heute wurde recht kurzfristig eine Mahnwache in Jena einberufen. Etwa 100 Menschen trafen sich an der Stadtkirche und hielten bei Kerzenschein eine Mahnwache ab. Zahlreiche Fußgänger sprachen uns aufgrund der ausgelegten Infoflyer an und waren alle gleichermaßen entsetzt über die Vorfälle. Ich fand es sehr schön, dass sich die Spitzen verschiedener Parteien (SPD, Grüne, PIRATEN, Die Guten etc.) einfanden und Solidarität bekundeten. Nach meinem Eindruck wurde heute aus dem Projekt Stuttgart 21 das Projekt Deutschland 21 (im Protestsinne).

Für den morgigen Tag ist wieder um 20 Uhr an der Stadtkirche eine weitere Mahnwache geplant. Es wäre schön, wenn sich wieder zahlreiche Menschen einfinden.

Trauer um Prof. Andreas Pfitzmann

Mit großer Trauer las ich heute vom Tod von Prof. Dr. Andreas Pfitzmann. Für mich war er einer der Großen der Informatik und speziell in der Forschung zu Anonymität im Internet. Mit diversen Forschungsarbeiten legte er den Grundstein für A.NON bzw. JAP/JonDonym. Professor Pfitzmann war recht oft als Sachverständiger für verschiedene Stellen tätig. Dabei schaffte er es immer wieder auf neue Aspekte aufmerksam zu machen und seine Argumente sehr fundiert vorzubringen.

Mir wird Professor Pfitzmann sehr fehlen und er reißt mit Sicherheit ein großes Loch in der Forschung um Anonymität sowie im Kampf für Datenschutz. Ich wünsche seiner jungen Familie viel Kraft und Stärke, um über den Verlust hinwegzukommen.

Transparenzreport von Google

Im Kampf gegen Zensur ist das Wissen, was überhaupt gesperrt ist, wichtig. Ein Ansatz dazu liefert Herdict. Dort kann jeder Nutzer melden, welche Webseite in seinem Land bzw. von seinem Internetanschluss nicht erreichbar ist. Mit der Zeit entstand eine schöne Dokumentation, welche Seite gesperrt sind. Ich nutze das gern für Vorträge. Denn so findet man schnell eine gesperrte Seite und kann das live vorführen. :-)

Auf der Konferenz Internet at Liberty 2010 stellte Google seinen Transparenzreport vor. Dort kann jeder ein Land und einen Google-Dienst wählen. Danach wird das Zugriffsmuster angezeigt. Am Beispiel von Iran unten sieht man recht schön, wann das Land die Zugriffe auf Youtube gesperrt hat und wie sich die Zugriffe danach entwickelten.

Der Dienst sieht recht nützlich aus und ist eine schöne Ergänzung zu Herdict und Co.

Zugriffsmuster der iranischen Nutzer auf Youtube

Wir hätten da gern eine Backdoor in Ihrem Kryptosystem

Schönen guten Tag, die von Ihnen entwickelte Verschlüsselung ist zu sicher. Bauen Sie bitte eine Hintertür ein. Sie bekommen von uns steuerfrei n Millionen US-Dollar. Solche Gespräche kennt man üblicherweise aus diversen Agentthrillern. Der Chef der tschechischen Firma CircleTech hat das nun am eigenen Leib erlebt.

Die Firma stellt Verschlüsselungslösungen her. Im Jahr 2006 meldeten Heise, Golem und andere, dass die Firma mit SMS007 eine Java-Anwendung hat. Diese verschlüsselt Kurznachrichten. Die Webseite der Firma listet weitere Produkte.

Nun bekam CircleNet Besuch vom Bezpe?nostní informa?ní služba oder kurz BIS. Das ist der Inlandsgeheimdienst von Tschechien. Die Geheimdienstleute wollten eine Hintertür im Programm haben. Damit soll der BIS dann alle Nachrichten entschlüsseln können. Einer der Firmengründer zeichnete das Gespräch auf und dort ist unter anderem zu hören, dass der Firma steuerfreie Einnahmen versprochen wurden. Nachdem sie nicht darauf einging, gab es weitere Erpressungsversuche.

Der Prague Monitor meldet, dass der Vorfall vom BIS untersucht wird. Angeblich liegen derartige Deals außerhalb der Kompetenzen des Dienstes.

Es wäre gut, wenn ich tschechisch könnte. Denn die meisten Nachrichten zu CircleTech sind in der Landessprache und die automatischen Übersetzer sind nicht ausgereift. Falls also jemand weitere Details zu dem Vorfall kennt, die Kommentare sind offen. ;-)

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